Alpin-und Höhenmedizin / Expeditionsmedizin

Das Wichtigste in Kürze (Grundregeln):

  • Langsam steigen, keine Anstrengungen in der Anpassungsphase, möglichst tief schlafen
  • Im Zweifelsfall, ob eine Höhenkrankheit vorliegt, oder nicht: Immer Abstieg! (bis zu jenem Punkt, wo es einem zuletzt noch gut gegangen ist).
  • ausreichend trinken

Immer mehr Bergsteiger mit Vorerkrankungen begeben sich in sehr große Höhen (3500-5800m), oder sogar in extreme Höhen (über 5800m, wo die sog.“Todeszone“ beginnt).

Dabei muß beachtet werden, daß der Anteil vom Sauerstoff in der Atemluft mit zunehmender Höhe stark abnimmt (Hypoxie), daß man, durch die wüstenartig trockene Höhenluft, schon alleine durch die Atmung, extrem viel Flüssigkeit verliert (Dehydratation mit den dadurch verursachten Problemen wie z.B. Höhenpolyglobulie, also eine Verdickung vom Blut mit Folgeproblemen, wie Thrombosen) und, daß der Körper durch die enorme Anstrengung leicht unterzuckert wird (Hypoglykämie) und auskühlt (Hypothermie).

Was erwartet Sie bei der höhenmedizinischen Beratung/ Untersuchung? Warum und für wen ist diese besonders sinnvoll?

  • Anamnese (genaue Erhebung der Krankengeschichte: allgemein und speziell höhenmedizinisch)
  • ganzheitliche Untersuchung
  • EKG (Untersuchung vom Herz) und evtl. Spirometrie (Lungenfunktionsprüfung)
  • evtl. Ergometrie
  • abhängig von evtl. Vorerkrankungen: Labor, Röntgen, Ultraschall

Höhenkrankheit bietet ein breites Spektrum an Erscheinungsformen: Die AMS (Acute Mountain Sickness/ akute Höhenkrankheit), das HACE (high altitude cerebral edema/ Höhenhirnödem) und das HAPE (high altitude pulmonary edema/Höhenlungenödem). Falls der geringste Verdacht auf Höhenkrankheit besteht, sollte der Aufstieg abgebrochen werden, der Betroffene mit Sauerstoff versorgt und in tiefere Lagen begleitet werden.

  • Eine Verbesserung der Akklimatisation kann durch unterschiedliche Mechanismen erreicht werden (z.B.:bewußte Beschleunigung der Atmung , wozu es auch natürlicherweise kommt:  HVR, Hypoxic Ventilatory Response), wobei eine durchdachte  Vor- Akklimatisation (vorbereitendes Höhentraining) eine wesentliche Rolle spielt (Anm.: Adaptation beschreibt physiologische Veränderungen über Jahrzehnte/ Generationen, wie man sie bei Hochlandbewohnern sieht).
  • Bestimmte Krankheiten (z.B. Herzinsuffizienz, Sichelzellkrankheit: Höhe kann Sichelzellbildung auslösen) können in der Höhe plötzlich dekompensieren, andere können sich durch die Höhe sogar bessern (z.B. bestimmte Formen von Asthma bronchiale) , wieder andere stellen an sich zwar keine Hindernisgründe fürs Höhenbergsteigen dar, bergen aber Gefahren (z.B. Epilepsie: Absturzgefahr, oder Diabetes mellitus, vor allem, wenn die Zeichen einer Unterzuckerung von den Bergkameraden nicht erkannt werden; höhentaugliche Blutzucker- Meßgeräte mitnehmen).

Vorerkrankungen und die damit verbundenen Gefahren sollten in der höhenmedizinischen Beratung/ Untersuchung abgeklärt und besprochen werden. Daneben werden ebenfalls klassische höhenbedingte Störungen (wie z.B. Schlafstörungen/ periodische Atmung, Höhenhusten, Angst, Infektionen, Schneeblindheit (Ersatzsonnenbrille nicht vergessen!) etc. diskutiert und es wird auch auf andere höhentypische Phänomene wie z.B. die Höhendetoriation (Abnahme des Körpergewichtes in extremen Höhen bei längeren Aufenthalten) eingegangen.

Ebenso werden Medikamente, die in der Höhenmedizin Verwendung finden (Acetazolamid/ Diamox), Dexamethason, oder Nifedipin, sowie andere Behandlungsmethoden (z.B.: tragbare hyperbare Kammer) besprochen.

Besonders wichtig sind hier auch Themen wie Schwangerschaft und Höhe und Kinder und Höhenbergsteigen.